Wie es jetzt ist

Der Tempelhofer und Mariendorfer Damm ist mit mehr als 50.000 Kfz pro Tag eine der stärksten belasteten Straßen Berlins. Zwischen Alt-Tempelhof und Alt-Mariendorf gibt es auf der B96 – außer einigen wenigen, häufig zu kurzen Angebots- und Einfädelungsstreifen – keine Radverkehrsanlagen, obwohl der Radverkehr in Berlin enorm anwächst.

Radfahrende werden durch Feinstaub (aktuelle Messwerte), Lärm und – am sichtbarsten – von unaufmerksamen oder rücksichtslosen Autofahrern gefährdet, insbesondere durch:
316005-36k* Rechtsabbieger
* überhöhte Geschwindigkeit
* zu geringem Sicherheitsabstand, d.h. Bremsweg
* zu geringem seitlichen Abstand beim Überholen
* aufgerissene Autotüren
* Schwerlastverkehr
… so wie Radfahrende dies von den Hauptstraßen Berlins zur Genüge kennen.

Das Übliche also, sollte man meinen.

Hinzukommt das lebensgefährliche Einfädeln in den Fließverkehr nach den wenigen Angebotsstreifen, dem Russischen Roulette nicht unähnlich. Der tragische Unfall, bei dem vor einigen Jahren ein 14jähriges Mädchen getötet wurde, zeigt die Dramatik des Problems. Und welcher Radfahrende ist schon so verwegen, auf der B96 einen Spurwechsel zum Linksabbiegen zu wagen?

In der Bezirksverwaltung wird vom Tempelhofer und Mariendorfer Damm – intern, manchmal auch öffentlich – als ‘Opferstraße’ gesprochen. Um welche Opfer handelt es sich? Nun, um die schwächsten und verletzlichsten Verkehrsteilnehmer: Kinder und Ältere, zu Fuss Gehende und auf zwei Rädern Fahrende. Aber auch alle anderen sind nicht sicher.

Hauptunfallursachen ggü Radfahrern 2015Die Unfallstatistiken der Polizei und deren Auswertung durch den ADFC Berlin sprechen eine deutliche Sprache.

Dabei machen Unfälle mit Radfahrerbeteiligung nur knapp 4% aller Unfälle aus. Hauptverursacher aller Unfälle ist mit mehr als zwei Dritteln(!) der motorisierte Verkehr. Statt dessen werden Kinder, junge Erwachsene, Senioren, Fußgänger, Radfahrer und motorisierte Zweiräder von der Polizei als “Risikogruppen” bezeichnet. Sicher, diesse Gruppen sind besonders gefährdet. Aber wird da nicht am eigentlichen Problem vorbeigeschaut?
Radverkehrsanlagen im Herzen Tempelhofs - ein 'Loch'

Radverkehrsanlagen im Herzen Tempelhofs – ein ‘Loch’

Festzuhalten bleibt: eine sichere, durchgängige und legale Radverkehrsverbindung zwischen Alt-Mariendorf und Alt-Tempelhof als Umgehung der B96 sucht man als Radfahrender vergeblich. Auf der östlichen Seite behindern verbotene Parkdurchfahrten und kopfsteingepflasterte Nebenstraßen das Vorankommen. Auf der Westseite befindet sich nur die enge, stark befahrene Rathausstrasse, bevor man die Manteuffelstraße erreicht. Alle erdenklichen Umfahrungen sind mit erheblichen Umwegen verbunden. Doch eines habe alle gemeinsam: sie sind weit vom Herzen Tempelhofs entfernt.